Montag, 30. April 2012

Job-Profil Mediengestalter Digital und Print

Ihr Lieben, ihr wisst ja, dass ich Mediengestalterin lerne. Meine Abschlussprüfung nächsten Monat ist für mich Anlass genug, euch mal einen Einblick in meinen Beruf zu geben. Falls euch das nicht interessiert, dürft ihr hier aufhören zu lesen :)

Wie heißt der Beruf?
Mein Beruf nennt sich vollständig Mediengestalterin Digital und Print Schwerpunkt Gestaltung und Technik.

Welchen Schulabschluss brauche ich?
Bei uns hier kann jeder Mediengestalter lernen, der zumindest einen Hauptschulabschluss hat. Demnach sind auch höhere Abschlüsse wie ein Realschulabschluss, ein Fachabi oder ein Abitur vollkommen in Ordnung. Mit einem Abitur ist es möglich, die Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen (- so wie ich). Soweit ich weiß, kann man auch mit einem Realschulabschluss die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen - dafür müssen aber die Berufsschulnoten stimmen, soweit ich informiert bin.

Was tut ein Mediengestalter?
Hier muss klar die Unterscheidung print/non-print gemacht werden. Non-Print Mediengestalter arbeiten in Internet-Agenturen o.ä. (so wie ich), Print Mediengestalter arbeiten in Druckereien, Copy-Shops, Verlagen, etc. ...
Ich habe leider keinen Einblick in die Print-Welt und ehrlich gesagt auch kein Verständnis für den Printjob - ich bleibe bei meinem guten alten Internet. Trotzdem überwiegt der Anteil an Printlern in meiner Klasse.

Als Mediengestalterin in einer Non-Print Agentur erstelle ich Webseiten, installiere und verwalte CMS, registriere und verwalte Domains, rede und arbeite mit den Kunden (E-Mail-Support z.B.), erstelle Screendesigns und Templates, erstelle Online-Kampagnen und Reportings, bin als SEO tätig, kurz: Alles rund ums Internet.

Wie lange dauert die Ausbildung und wie verläuft sie?
Die Ausbildung dauert normalerweise 3 Jahre. Sie findet an den Lernorten Berufsschule und Ausbilungsbetrieb statt; ich habe z.B. ein- bzw. zweimal die Woche Berufsschule. Habt ihr "Ferien" in der Berufsschule, so müsst ihr trotzdem in den Betrieb oder eben Urlaub nehmen.

Im ersten Lehrjahr dürftet ihr (je nach IHK und Bundesland) die Basics in den Bereichen Druck/Druckprinzipe/Papier und HTML/CSS haben. Dann folgen irgendwann in den späteren Jahren Kenntnisse im Bereich Computer/Hardware und Flash sowie Verpackungsdesign. Später gehts dann etwas tiefer in die Materie: JavaScript, PHP, Datenbanken. Zwischendurch dürft ihr auch den Berufsschulunterricht in den Fächern Sowi (oder WBL, je nachdem wie eure Berufsschule das Ganze nennt.), Deutsch, Englisch, Religion und Sport "genießen". Ich sage euch ganz ehrlich: Meine Berufsschule ist ein Witz - und das nicht nur, weil ich Abitur habe.

Und ich rate euch: Auch wenns vielleicht etwas sinnlos erscheint - Geht hin, Fehlstunden sehen doof aus.

Alles andere, alles, was interessant ist, lernt ihr im Betrieb. Und wenn ihr Glück habt, werdet ihr am Ende eurer Ausbildung übernommen. Aber in unserer Branche ist das wirklich selten: Der Markt ist voll von Mediengestalterin.

Wie viel Urlaub habe ich?
Ich habe als Auszubildende den gesetzlichen Mindestanspruch von 20 Arbeitstagen bzw. 24 Werktagen Urlaub. Das macht 4 Wochen im Jahr, die ich nehmen kann, wie ich möchte. Ich sollte per Gesetz allerdings einen Jahresurlaub von mindestens 10 aufeinander folgenden Tagen machen. Bin ich in einer bestimmten Zeit unabdingbar für meinen Ausbildungsbetrieb, so kann er mir Urlaub verwehren.

Die Prüfungen
Es gibt hier in NRW eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung, wobei die Zwischenprüfung für sich steht und nicht in die Note der Abschlussprüfung mit eingeht. Man kann die Zwischenprüfung nicht nicht bestehen, sie dient lediglich zur Feststellung des Bildungsstandes. Sie findet nach ca. 1 1/2 Jahren statt. Die Abschlussprüfung entscheidet dann alles: Sie besteht wie z.B. bei mir aus einer theoretischen Prüfung in den Fachgebieten, sowie Sowi, Deutsch und Englisch, einem Konzept, einer praktischen Abschlussprüfung und einer Wahlqualifikations-Prüfung. Ca. 2 bis 1 1/2 Monate nach der theoretischen Prüfung könnt ihr mit Ergebnissen rechnen.

Vorurteile über den Beruf
"Ich gestalte doch so gerne" oder "Fotografie ist mein Hobby" sind Aussagen, die ich schon in vielen Bewerbungen gesehen habe. Was viele vergessen: Gerade in meinem Schwerpunkt ist technisches Know-How Pflicht! HTML/CSS, PHP, MySQL, CMS, JavaScript, FTP, Server Administration, Linux Basics - und kaum etwas davon lernt ihr in der Berufsschule.

Auch im Printbereich sind Kenntnisse in den Programmen InDesign, Photoshop und Illustrator sinnvoll.

Mein Rat für euch
1.) Bewerbt euch niemals, wenn ihr nicht schon Vorkenntnisse habt - das ist mein Rat für euch. Ob ihr ihn befolgt, ist eure Entscheidung. Aber ich sags mal so: Basics in den Adobe Programmen und Webdesign sind sich in ein paar Stunden angeeignet ;)
Ich kann die Ausrede "Aber das lernt man doch in der Ausbildung" nicht mehr hören.

2.) Um Himmels Willen, bitte schreibt anständige Bewerbungen! Unterschriebenes Anschreiben - unique für jedes Unternehmen, richtiges Datum und richtiger Ansprechpartner, Lebenslauf (unterschrieben mit Foto und vollständig!), ein Skillprofil oder noch besser: Arbeitsproben aus der jeweiligen Fachrichtung. Wenn ihr also in den Non-Print-Bereich wollt, solltet ihr Webseiten-Entwürfe, Quelltextauszüge und Logos zu eurer Bewerbung legen. Wollt ihr in den Print-Bereich schaden Broschüren, Flyer, Einladungen, Speisekarten, Postkarten, Aufsteller, Visitenkarten etc. pp. nicht. Wenn ihr unbedingt bearbeitete Fotos beilegen wollt: Das beeindruckt eigentlich keinen mehr. Tut das wirklich nur, wenn die Bilder gut sind. Wirklich gut, meine ich.

Noch etwas: Manche Unternehmen erwarten Bewerbungen per Mail als PDF. Das ist nicht unüblich. Wenn es gefordert wird, solltet ihr die Bewerbungen auch als PDF schicken ;)
Ich rate euch außerdem davon ab, ständig in den Unternehmen anzurufen: Die Personalabteilungen haben meist genug zu tun und können eigentlich keine Bewerber gebrauchen, die  ständig anrufen und sich nach ihrer Bewerbung erkundigen.

3.) Wisst, worauf ihr euch einlasst! Es macht wirklich keinen Spaß, ständig junge Bewerber zu desillusionieren. Potentielle Arbeitgeber möchten euch im Bewerbungsgespräch nicht erklären wollen, was ihr in eurem Beruf tun würdet. Informiert euch! Wisst, was ihr in dem Bereich, in dem ihr euch beworben habt, tut und was eure Aufgaben wären.

* Anmerkung: Ich schreibe all dies aus meiner Perspektive. Das ist alles meine Meinung und ich möchte sie niemandem aufdringen. Ich mache meine Ausbildung übrigens in Bonn, NRW, es kann also sein, dass die Bestimmungen und Anforderungen eurer IHK von der meinen abweichen.


Hui, das war wirklich viel.

Habt ihr noch Fragen zum Beruf des Mediengestalters? Gibt es etwas, dass ich noch hinzufügen soll? Fandet ihr meine kleine Beschreibung hilfreich?

Kommentare:

  1. Ich lerne gerade das selbe und bin im 3. Lehrjahr. Wir hatten hier im Betrieb Bewerbungen, wo Mädels aus der 10. Klasse sich beworben haben, auch Abiturienten oder Studenten. Das ein junges Mädel aus der 10. dass noch nicht wirklich beherrscht, empfinde ich als ok, sie will es ja schließlich hier lernen. Daher achten wir dann eher auf die Kunstnoten oder Kreative Nebentätigkeiten! Aber zB bei jemand der schon Älter ist, sind Arbeitsproben angebracht. Dennoch was hier für Bewerbungen eingingen, die meisten Müll, manche kamen nicht zum Gespräch und und und... Ich hatte minimale Kenntnisse, aber mehr in Fotografie und Photoshop, dennoch erlernte ich HTML, Flash, Illustrator, InDesign und Co ganz schnell. Man muss auch bedenken, so eine 10. Klässlerin, hat sicher gar kein Geld für diese enorm teuren Programme...

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    1. Hmmm, ich fand bei uns zB den Eignungstest bestens... hatten einen Theoretischen, wo die halt wissen wollten was man alles weiß, also Allgemeine Fragen und dann einen praktischen... Wo man Themen bekam und dafür was machen musste, egal ob gebastelt, mit den Programmen und und und. Ich will das ja wirklich weil es mich interessiert bei der Ausbildung lernen, man sollte aber wenigstens vernünftig argumentieren können und überzeugen können, warum man das genau wirklich lernen will. Klar, ich brachte auch Vorkenntnisse mit, verstehe aber auch welche, die gar keine haben.

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  2. Ach ja... Was soll ich sagen?
    Es war definitiv die BESTE Entscheidung meines Lebens mit der Ausbildung zur Mediengestalterin anzufangen! Es ist wirklich nicht immer einfach, aber die Liebe zu diesem Job lässt mich durchhalten!

    Ich find es allerdings jetzt nicht so nett, dass du kein Verständnis für die Printler hast - immerhin bin ich eine Printschlampe :D
    Aber hey! - jeder hat seine Meinung! :)
    Ich respektiere euch Webler wahnsinnig, ja ich gebe zu - ab und zu bewundere ich euch um eure Arbeiten! Aber mein Bereich ist print. Vielleicht stirbt print wirklich irgendwann mal aus, aber dann weiß ich wenigstens wie toll es war in diesem Bereich zu arbeiten <33

    Ich werde so traurig sein, wenn du nicht mehr in der BS bist :( Dann fällt die größte Motivation soooo früh aufzustehen, einfach weg...

    Lg <3

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  3. hui, das war sehr informativ ;)

    Also bei uns geht das mit dem Verkürzen der Ausbildung nur, wenn der Betrieb auch zustimmt und natürlich die guten Noten.. mir wurde es verweigert, als ich gefragt habe, ob ich verkürzen könnte :/ na ja Azubis sind eben ja auch nur billige Arbeitskräfte haha.

    Vor den Weblern hab ich auch allen Respekt :D bin ja auch Printler und blick nich ganz so durch in HTML&Co :D

    So, ich mach meinen Umzug mal weiter :D meine fleißigen Helferlein müssten jetzt dann auch bald antanzen x)

    Grüßelis :)

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  4. Danke für diese vielen Informationen, die muss ich kurz verarbeiten :). Ich finde den Post klasse und super hilfreich! Da ich gerne später etwas im Bereich Medien machen möchte, war es schonmal gut, einen Einblick von dir bekommen zu haben. Deine Tipps zum Schluss sind aus sehr schön, kann deine Meinung gut verstehen. Ich drücke dir weiterhin die Daumen und wünsche dir noch einen ganz schönen Abend <3.

    lg Neru

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